FSV Luckenwalde 63 – FC Energie Cottbus 1:0 n.V. (Viertelfinale Landespokal Brandenburg)

Zuschauer: 1.598 Zuschauer

Auf meinem Geburtstagstisch lag ein Umschlag mit blau-gelbem Geschenkband. Hä? Ich weiß zwar, dass es in der Familie väterlicherseits einige Lok Leipzig Sympathisanten aus DDR-Zeiten gibt, aber was habe ich damit zu tun? Nichts natürlich. Es handelte sich um eine Bowlingkugel. Aber Stopp! Bevor Ihr jetzt sagt „eine Bowlingkugel ist doch ein nettes Geschenk“ muss ich kurz aufklären, was der Begriff bedeutet. Auch wenn mir Fredi gleich um die Ohren haut, dass er Leute nicht abkann, die das ganze Leben mit Simpsons-Zitaten deuten können, verweise ich kurz auf Homer S. Der schenkte eines Tages Marge zum Geburtstag eine Bowlingkugel. Seit dem nennen wir in unserem Umfeld Geburtstagsgeschenke, die eigentlich für einen selbst bestimmt sind, Bowlingkugel. Ist doch ne nette Angewohnheit oder?

In diesem Fall ging es aber nicht um Lok Leipzig, Schweden, Eintracht Braunschweig oder Blau Gelb Berlin. Nein es ging um den FSV Luckenwalde 63. Die hatten an diesem bundesligaspielfreien Wochenende einen Pokalkracher im Viertelfinale gegen die Kameraden aus Cottbus. Mein Vater hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt um Tribünenkarten zu bekommen, zu dem sollte das Spiel ausverkauft sein. War es im Endeffekt nicht und die Tribünenplätze leider nicht zusammenhängend. So klappte der gemeinsame Ausflug nur fast. Seit einem Freundschaftsspiel gegen Hansa Rostock vor einigen Jahren war ich nicht im Werner-Seelenbinder-Stadion. Noa ja. Ein bisschen mehr Fußballstadion ist es geworden. Marn meinte noch, ich solle News aus der Fanszene vom FSV mitbringen, ob es immer noch so sei, dass da Leute mit Freundschaftsshirts FSV+Union+Hansa rumlaufen. Jedenfalls habe ich heute keines der berüchtigten Shirts gesehen. Es war aber auch echt nasskalt.

Ein kleiner Verkaufstisch wurde aufgebaut, aber wirkliche Fanartikel gab es da nicht. Wurst- und Bierstand ließen wir links liegen, immerhin hatten wir gerade erst Mittag gegessen. Puh, auf der Tribüne dann fast britische Verhältnisse, das heißt: Die Sitzschalen waren voll eng aneinander geklascht mit kaum Platz für die Gräten. Dazu fast nur Rentner, an denen ich nicht vorbei kam. Kaum saß ich, kamen auch schon die ersten „Neger“-Sprüche. Sie meinten es wohl gar nicht böse, denn Luckenwalde hat einen schwarzen Angreifer namens Mame Diouf aus dem Senegal. Offenbar merken die es noch nicht einmal selbst! Man ey. So ähnlich wie der bayrische Innenminister Joachim Herrmann, der Roberto Blanco einen netten „wunderbaren Neger“ nannte und dafür ordentlich von der Heute-Show verarscht wurde. Na das konnte ja heiter werden!

Meine Augen waren derweil auf die Gegengerade gerichtet, auf der sich die Gästefans einfinden sollten. Machen wir es kurz: Viele waren sie nicht. Im Vorfeld hatten die TF-Bullen alle Welt verrückt gemacht und dann war kaum jemand da. 250 vielleicht? Weniger? Ich schätze schlecht, gerade bei langgezogenen schmalen Blöcken. Kurz vor dem Anpfiff hissten die Cottbusser eine große „Energie Cottbus“-Fahne mit Ostblitzlogo. Ein jungscher hisste daneben ne DDR-Fahne. Wollte wohl Magdeburg spielen? Insgesamt offenbar junge Leute hinter der Fahne, Gruppenfahnen hingen nicht. Support: Mehr als mau und Einheitsbrei begleitet von emotionslosem Einheitsgetrommel. In der Ecke rechts von mir (wo sonst!) hing die schwarz-weiß-rote „Alte Garde“-Fahne und die Leute drum herum passten aus der Entfernung ins Bild. Dazu später noch ein Satz.

Wie ich beim Plausch mit Gruppa Süd Schubi in der Halbzeitpause erfuhr, hatte es in der „Nordkurve Luckenwalde“ eine Choreo bzw. Blockfahne zum Auflaufen gegeben. Das lag außerhalb meines Blickfeldes.. Keine Ahnung. Stimmung machten die Leute in diesem Bereich (von Kurve kann nicht die Rede sein, weder architektonisch noch fansoziologisch) auf niedrigstem Niveau. Ebenfalls etwas Einheitsbrei mit etwas Cottbus-Hass und in das Ganze in sehr leise. Dazu „Luckenwalde, Luckenwalde, hey hey hey“ – Rufe und ab und zu Nerv tötende Osttröten in der Nähe meines rechten Ohrs. Ach ja und bei unliebsamen Schiri-Entscheidungen rief einer permanent „Eisern Union, Eisern Union!“ Soviel zu den Szene-News für Marn.

Wisst Ihr, wer der Trainer vom FSV ist? Jörg Heinrich! Ja, Der Jörg Heinrich. Naja, wo die Leute eben so landen. Nicolas Angelka spielt (das ist doch mal ne Aussage, er spielt immer noch!) als Spielertrainer für Mumbai FC. Interessant wurde es auf dem Platz. Ein Pokalspiel, wie wir es uns wünschen. Der kleine Verein nervt den vermeintlich großen Verein. Wobei großer Verein – die einen spielen in der 4. und die anderen in der 3. Liga. Da liegen keine Welten dazwischen. Eine couragierte Leistung der Luckenwalder. Das will ich gern anerkennen. Cottbus blieb das ganze Spiel über scheiße und pöbelte auf das Schiri-Team ein. Übrigens noch so ein Ding. Wisst Ihr wer der Trainer von Cottbus ist? Vasile Miriuță. Ja genau, Der Vasile Miriuță! Er nahm das Grauen auf dem Platz mit zynischem Grinsen und unterschwelliger Dauermeckerei hin. Komisch, wenn Leute grinsen und es gar nicht lustig meinen.

Naja und so lief das Spiel vor sich hin, gleichwohl spannend ohne Frage. Dazu wurde es immer kälter. Atmosphärisch! Herbstlich! Und nach 90 Minuten immer noch 0:0. Inzwischen war es ein Flutlichtspiel. Wobei das so ziemlich das dunkelste Flutlicht gewesen sein dürfte, das ich je gesehen habe. Na gut, ich will zugeben ich bin jetzt kein jahrzehntelanger Groundhopper. Besonders viel Gewicht hat die Aussage also nicht. Cottbus blieb weiterhin scheiße. Luckenwalde kämpfte und traf in der Verlängerung zum 1:0 durch Diouf. Das hatte er sich wirklich verdient. Er spielte sehr engagiert. Als er zum Jubel ansetzte, konnte er natürlich nicht ahnen, dass er sich da in der (im wahrsten Sinne) rechten Ecke der Schwarz-Weißen-Roten befand und so wurden etliche Bierbecher auf ihn geschmissen usw. Ätzendes Pack!

Abpfiff und Skandal für Cottbus. Mich hat es gefreut. Der Mannschaftskapitän zelebrierte dann Ufftas, was eher peinlich rüber kam. Egal, lass ihnen die Freude. Leider kam ich durch die angesammelte Menschtraube nicht hindurch. Fluchtwege gibt es nicht. Ja das war’s. Luckenwalde – inkl. meines Vaters – happy, Cottbus am Arsch.

Kbk‘15

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