Karlsruher SC – DSC Arminia Bielefeld 1:1

Zuschauer: 18.660

Voll im Element – Ein Wochenende mit der Blau-Weißen Achse (Teil III)
Maxi weckte mich aus einem tiefen Traumschlaf mit der Info, dass das Bad frei und das Frühstück bereits fertig sei. Spätrömisch-dekadent. Irgendwann wachsen mir noch die Weintrauben in den Mund. Wenig später saßen alle zusammen um den großen Küchentisch und genossen die viel gerühmte Gastfreundschaft. Wie früher! Wir erzählten aus unserem älter werdenden Leben, wobei Codys Begegnungsprojekt zwischen Schulklassen aus Polen und Deutschland beeindruckte. Leider galt hier für diesen Morgen in Ettlingen das gleiche Urteil wie für Strasbourg: Zu wenig Zeit.

Wir nahmen die Straßenbahn und gesellten uns so ziemlich als Letzte zum Mob, der sich inzwischen in einer Kneipe der Südstadt traf. Hier gab es mal wieder ein freundliches Hallo, bzw. „Servus“. Kaum hatte ich ein alkoholfreies Radler (logen!) bestellt, zog mich Schauders Schnitzelteller magisch an. Dabei hatten wir doch gerade erst so köstlich gefrühstückt. Also auch noch schnell so ein Teil bestellt, bevor der Haufen zum allgemeinen Treffpunkt am Schloss zog. Nun wurde auch deutlich, wie sehr ein Großteil der Leute im Eimer war. Selten so leise und kurze Gesänge gehört. Der Schlossplatz war im Übrigen heute nicht nur der Treffpunkt der Blau-Weißen, sondern auch der Veranstaltungsort der Boule-Meisterschaft. Über etwas Beifall und vereinzelte, unvermeidliche „Booligans“-Rufe konnten sich die Teilnehmenden allerdings kaum freuen. Ihr wisst ja, beim Boule zählt die Konzentration aufs Schwein. Ein Teil der Gruppa verpasste das Spektakel und fuhr schon mal den 9er zum Wildparkstadion, während Raucher-Helmut einen Bierstand direkt am Schloss gefunden hatte und eine Möhre nach der anderen wegzog.

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Auf dem Weg durch den Schlosspark wurde dann gut was abgefackelt, habe auch selten Kutten soviel Pyro zünden sehen. Skurril wurde die Situation, als kurz nach dem Zünden der Mob in Bewegung geriet. Bielefelder (wtf?) sollten irgendwo in der Stadt gesichtet worden sein. Also etwas Action mit ein paar Hundert Kutten im Schlepptau? Absurder Gedanke. Plötzlich waren auch etliche vermummte Bullen mit dem Visier im Gesicht vor Ort. Dann wieder Stimmungsänderung: Begrüßung des KSC-Busses mit Fähnchen auf der Straße. Vorbei am gut abgesicherten Gästeblock ging es dann zum Eingangsbereich vor der Gegengerade. Die Gästeticket-Organisation klappte mal wieder richtig gut. Dafür herzlichen Dank! Ich machte meine Runde zum Vereinshaus, griff danach noch Tortellini beim Pastastand ab und beobachtete auf den Treppenstufen, wie die Stadionverbotler reingelassen wurden. Coole Sache.

Das bringt mich zum Geschehen auf den Rängen. Bei fast jedem KSC-Bericht aus Herthaner-Hand wird über die melodischen KSC-Gesänge schwadroniert, die eine willkommene Abwechslung zu unserem Support-Alltag darstellen. Stimmt ja auch. Für mich kommt es nicht in Frage irgendwo im Stadion abzuhängen, wenn auf der Gegengerade gesungen wird. Das Thema Stadionverbotslieder finde ich generell etwas schwierig. Oft ist mir das zu platt. Aber die Karlsruher haben mit ihrer eigenen Version von „Wieder hier“ (Westernhagen) wirklich ein gutes Brett. „Ich rieche den Rauch und atme tief ein und dann bin ich mir sicher, wieder im Stadion zu sein.“ Das passt nicht nur zur Sektion Stadionverbot, sondern auch zu examensgeschädigten Ex-Studenten. So hatten wir unseren Spaß im Bereich von AF‘03, während auf dem Platz in der 60. Minute endlich das 1. Tor des Wochenendes für die Achse durch Ylli Sallahi fiel. Ja, Ihr habt Recht, die Blau-Weißen haben sich an diesem Wochenende nicht mit Ruhm bekleckert. Mal wieder. Aber eigentlich ist das doch auch Schnuppe. Es gab für alle drei Mannschaften deutlich schwärzere Zeiten.

Die Bielefelder waren in respektabler Anzahl vor Ort und beflaggten den Gästeblock auch ansehnlich mit klassischen Fahnen in ihren Farben. Cody meint zwar, dass sei „nichts neues“, aber es ist doch trotzdem ein viel besser Anblick als beispielsweise Wolfsburg away. (Optisch eine der schlimmsten Szenen des Landes!) In der Schlussviertelstunde fiel dann noch das 1:1, was aber auch irgendwie egal war. Die KSC-Spieler wurden noch einmal ordentlich für die insgesamt gute Saisonleistung gefeiert (7. Platz) und besonders Peitzer und Trainer Kauczinski empfingen Dank für ihre Verdienste. Außerdem wurden die Stuttgarter noch einmal aufs Korn genommen. Ihr habt das Maskottchen „Fritzle“ vielleicht baumeln sehen.

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Der Rest ist schnell erzählt. Während einige Berliner noch nicht genug vom Wochenende hatten und eine weitere Nacht blieben, ging es für den Großteil wieder Richtung Norden. Wie schon im letzten Jahr war die Rückfahrt bei uns allerdings keine müde Abspannphase, sondern richtig stimmungsvoll. Das lag natürlich am Alkohol, aber auch an den blühenden Erinnerungen der letzten gemeinsamen Tage. Vor unseren Augen zogen die schönen Stunden noch einmal vorbei. Das klitschnasse Frittenbude-Konzert, die unzähligen gelben Schnapsfelder, die Absurditäten im einzigen Pinselmuseum des Universums, die Gänsehautatmosphäre im Stade de la Meinau, die Pyroaktion in Mainz, die ansteckende Schadenfreude über den VFB-Niedergang, das gute Essen (bis auf die Glutamat-Sauce im E.), romantische Stunden im parkenden 9er (war nicht dabei), fortwährende Räusche, ein geniales Gemeinschaftsgefühl, nen runden Abschluss in einem der schönsten Stadien überhaupt, vielem mehr und natürlich immer wieder Bürsti.

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Bei unserem Hitmix verlor ich dann auf den letzten Kilometern den wirklich allerletzten Rest meiner Stimme und hatte etwas Sorge vor meinem Minijob als Telefonist in den kommenden Tagen. Mein Sitznachbar hingegen war etwas nervös vor seinem Frauenbesuch. Ihr wisst schon, Testosteronschub usw.

Fazit: Ich war voll im Element. Wir hatten eine supergeile Zeit! Danke an alle, die dabei waren. Insbesondere unsere angenehme 9er-Besatzung und die lieben Gastgeber in Strasbourg und Karlsruhe! Bis zum nächsten Mal. Dann ist auch Frank (vielleicht) dabei.

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