Hertha BSC – VFL Wolfsburg 0:0

Zuschauer: 34.765

Da der Kracher gegen Wolfsburg torlos endete, stellt sich mir natürlich die Frage, ob das jetzt ein 0:0 der besseren oder der schlechteren Sorte gewesen ist. Kein 0:0-Bericht kommt an dieser Entscheidung vorbei. Ich behaupte jetzt mal es war eines der schlechteren Sorte wegen der vergeigten Chancen. Und viele gab es davon ja nicht einmal zu sehen. Schade, denn obgleich Heimsiege gegen jeden Gegner etwas Schönes sind, gibt es manche Gegner gegen die es besonders gut tut. Die dämlichen Wolfsburger sind definitiv so eine Mannschaft. Fünf Heimspiele ohne Heimsieg. Da können wir über die merkwürdigen Auswärtssiege echt froh sein, ansonsten wäre das heute gebotene Mittelmaß nicht gerechtfertigt. Glückwunsch zum Comeback für Julian Schieber, nach der langen Verletzungspause! So, viel mehr gibt es zum Geschehen auf dem Platz nicht zu sagen. Es nieselte und plätscherte so dahin. Die 34.765 Zuschauer haben sich vermutlich arg gelangweilt, beziehungsweise auf Wolfsburger Seite geärgert. Denn so stehen sie nur einen Punkt entfernt vom Relegationsplatz (Stand vor dem Mainz Spiel). Ach das würde mich noch mehr freuen als ein Abstieg des HSV. Aber dazu wird es wohl kaum kommen. Die Flöten werden schon einen Weg finden as sure as daylight.

Während sich der Großteil der Bevölkerung auf ein langes Osterwochenende freute, hing ich am Sonnabend noch für Stunden am Schreibtisch fest. Da konnte ich fast froh sein, dass die DFL wieder mal eine neue Anstoßzeit ins Spiel brachte: Sonnabend, 20:30 Uhr. Versteht keiner und Karfreitag kann auch nicht die Antwort sein, denn den gibt es ja nicht erst seit gestern. Irgendwann musste der Stift aber auch mal bei Seite gelegt werden und ich startete in die Parallelwelt. Fußball war angesagt! Nach langer Zeit machte ich mich zur Feier des Tages mal wieder auf den Weg in den Raum. Die S-Bahnfahrt mit Fensterplatz war wieder besser als der Besuch so manch einer Gemäldegalerie. Einfach zurücklehnen und die Welt vorbeziehen lassen. Graffiti- und Streetartmäßig ist Berlin einfach der Hammer. Klar es gibt auch Müll und vieles davon hat leider Fußballbezug, das meiste jedoch ist immer wieder ein Hingucker. Vor Ort war ich begeistert, viele Gesichter aus früheren Tagen wieder zu sehen. So knackte ich mit dem Piraten ein Bier und wir schwadronierten darüber, ob Ultras zu wenig Fußballfans sind. Die Zeit verflog bei weiterem Suff (na gut war nur noch ein Radler bei mir, musste doch fit bleiben) wie im Fluge und als auch Amir und Paul-Peter von der Gruppa dabei waren, machte sich der Mob auf den Weg. Schwarze Jacke an und schnellen Schritt, damit die anrückenden Bullen nicht hinterherkommen. Das Katz und Maus Spiel macht schon auch ein bisschen Spaß. In diesem Fall kamen sie nicht schnell genug aus ihren Wannen.

Auf dem Weg zum Stadion musste noch ein Zwischenstopp bei einem geografisch gut gelegenen Späti eingelegt werden. Denn das Bier war leer und bis zum Stadion, vor dem die nächsten Flaschen getrunken werden sollten, war es ja noch mindestens 10 Minuten hin. Zitat des Piraten „Das gehört einfach dazu.“ Derbe Scherze, laut lachen, Aufkleber verkleben, das ganze Programm war doch wieder mal amüsant mit anzuschauen. Und dann machten natürlich noch die Bilder aus Hoffenheim die Runde, wo die Boyz Köln offenbar Teile ihrer Zaunfahne an mitgereiste (!) Gladbacher Anhänger verloren. Krasse Rache-Aktion. Da es nicht gerade eine sympathische Gruppe traf, war die Empathie allerdings nicht gerade groß. Die Lehre daraus ist trotzdem die, dass man Zaunfahnen heutzutage lieber nicht mehr außen anbringen sollte. Und das nervt eigentlich auch schon wieder.

Vor dem Stadion gab es neben dem nächsten Bier (für mich nicht) ein Blick auf die neue Gruppa Kollektion. Danke Dr. Tile fürs Versenden via Moe-Express. Aber sorry, mit durchsichtiger Tüte lauf ich damit nicht durch die Stadt. Die Zeiten sind vorbei. Leider. Im Stadion machten wir uns an den üblichen Aufbau. Drüben trennten die Wolfsburger den Gästeblock in zwei Hälften. Auf der einen erschien das große „W“ mit den Zinnen. Darüber große Spruchbänder mit der Aufschrift: „Schicht ist Pflicht. Autoschrauber gegen Abendspiele.“ Gelungene Aktion, die mir die Anhängerschaft trotzdem nicht sympathisch macht. Als wir es uns gerade noch ein bisschen vor dem Spiel gemütlich machen wollten, gab es Stress im Oberring. Die HfA-Fahne hing ein Stückchen über einer verkackten Sky-Kamera. Die nervösen Fernsehdeppen schickten die Ordner, die nun begangen die Fahne abzuhängen. Geht für mich gar nicht klar. Jeder Ordner sollte wissen, dass die Fahnen (die für aktive Fans nun mal sowas wie Heiligtümer sind) nur von Fans auf und abgehängt werden. Die Fanbetreuung weiß mit Sicherheit wer die jeweiligen Ansprechpartner sind. Wir also mit paar Leuten hoch. Dort stellte sich heraus, dass schon zwei HfA-Mitglieder vor Ort waren. Gemeinsam wurde die Sache geklärt und die Fahne etwas weiter nach links gehängt. Okay, sorry für den Austicker. Aber bei dem Thema bin ich sensibel. Ihr wisst warum.

Zurück in der Kurve waren etliche Leute mit Spruchbändern beschäftigt. Verschiedene Sektionen und Gruppen hatten Spruchbänder zu den aktuellen Streitthemen mit dem Verein vorbereitet. Besonders im Fokus stand Paul Keuter, der für die digitale Wende bei Hertha steht. Später gab es auch noch einmal Sprüche zu 50+1. Bei der DFL-Mitgliederversammlung (die erstmal einen guten Ausgang nahm) hatte sich Hertha peinlicherweise enthalten. Dass wir als Gruppe kein Spruchband vorbereitet hatten war übrigens auch nicht gerade ruhmreich. Aber lassen wir das.
Die Stimmung war in der Folge halbwegs passabel. Für das lasche Spiel jedenfalls schon. Bei der Einleitung zu „Nur nach Hause“ ertönte über die Stadionlautsprecher „Was gibt es schöneres als heute hier gegen Wolfsburg im Stadion zu sein..“. War zumindest ein guter Lacher bei einigen. Neben dem üblichen Material, hatte HB’98 auch wieder inhaltliche Doppelhalter dabei. Ihr mögt darüber euer eigenes Urteil bilden. Mindestens kann man ihnen nicht vorwerfen ihre Kritik wäre nur destruktiv. Auf der anderen Seite gab es wie gesagt die große Aktion gegen Abendspiele. Abermals hing die mega (jetzt benutze ich auch endlich diese omnipräsente Alltagssprache) hässliche Wolfsburg-Fahne vor dem Block. Zu sehen waren sie kaum, da Wolke Zwielicht und grauer Nebeldunst alles verschwimmen ließen. Erst zu Beginn der zweiten Halbzeit waren sie kurz im Bild, als sie eine ordentliche Pyroaktion zeigten. Damit waren auch die letzten Pausenschläfer wieder aufmerksam. Zu hören waren die Wolfsburger aber insgesamt höchstens 1-2 mal bei uns. Einige sagen vielleicht, sie haben das Beste aus dem gemacht, was sie machen konnten. Ich fand es trotzdem nicht mega. Ich nerve mich schon selbst mit dieser „mega“ Sprache und komme lieber langsam zum Ende. Das hieß für mich zurück zur Arbeit und für zwei Jungs von unserer Gruppa in die Nacht zu starten mit dem Ziel: Derby Strasbourg-Metz. Man ey. So kann man das Wochenende auch erleben! Wäre zu gerne mit gefahren. Allez Racing!

KBK*18

Schreibe einen Kommentar

Dein Kommentar wird vor der Veröffentlichung geprüft.