Hertha BSC – Eintracht Frankfurt (2:1) (31.01.09)

Klopf Klopf. Raus aus der Höhle, der Winterschlaf ist beendet. Aber gerade so. Gestern waren wir noch in altbekannter Besetzung auf der Skipiste (die Zeit war drin, da Hertha ja nicht gern im Pokal bleibt) und heute war schon wieder Bundesliga.
Hertha gegen Frankfurt. Gleich zu Beginn also ein – sagen wirs ruhig – Kracher.
So ein Spiel lässt man nicht sausen, gerade nicht, nachdem nun in diesem Jahr unsere Alte Dame auch endlich mal sportlich Anschluss in der Liga gefunden hat und ein gelungener Start eine spannende Rückrunde versprechen könnte. Also, man lässt nicht sausen (wie sieht diese Phrase bildlich nur aus?) und trotzdem war ich der gelackmeierte (und die Phrase erst!). Ein Blockseminar von 9.15-16.15.Uhr stand an und da ich schon zwei mal gefehlt hatte – und somit mein benötigter Teilnahmeschein in Gefahr geriet – blieb mir nichts anderes übrig, als auch beim Heimspieltag mal vor Tau und Tag aufzustehen und auch beim Heimspieltag mal den Weg in die Uni anzutreten.
Nach etwa 2 Stunden, das hebräische Kapitel des Tages (Sach 6) war gerade übersetzt, schaute ich – schon leicht nervös – aus dem Fenster, als gerade eine Gruppe Eintrachtfans die gute Friedrichbrücke (gebaut 1892!) herüber in Richtung Anna-Lousia-Karsch-Straße kam. Ich tippte mit dem Fuß und versuchte die Röte zu vermeiden, als der Herr Professor seinen Vortrag unterbrach um „ach heute ist ja wieder Fußball“ einzuwerfen. In meiner Blau-Weißen, aber sonst neutralen (d.h. nicht mit verräterischen Schriftzügen versehenen) Kleidung saß ich da und harrte eines Wunders. Zur Pause (gegen 13.00) hatte ich mich durchgerungen, den Professor um ein frühzeitiges Verlassen der Veranstaltung zu bitten. Im Hinterkopf legte ich mir „einen wichtigen persönlichen, unverschiebbaren Termin“ zurecht und stammelte dann drauf los. Wunder sind natürlich Käse, aber der Dozent fragte einfach wann ich los müsse (ich meinte 15.15 Uhr spätestens) und er antwortete länger als 14.30 wolle er es nicht werden lassen. Wisst Ihr, der gute Herr wollte wirklich selbst Fußball gucken, ich bin mir sehr sicher. Die Restzeit wurde freudig verzittert, ich warf die Hebräischseiten etc. in den Rucksack und stürmte drauf los. Was für eine Anspannung. In der S-Bahn war ne ordentliche Ansammlung Herthafans die den Spieltag, die Meisterschaft und sogar mögliche Hooliganausschreitungen lautstark diskutierten. Ich tat lesend und hörte mir die Beiträge mindestens halböhrig an.
Im Olympiastadion – etwa eine Viertelstunde vor dem Anpfiff angekommen – zog ich verschwitzt meine Jacke aus und beeindruckte mit meinem Pullover. Dann aber kam es zum Eklat des Tages: Man verweigerte mir den Handschlag, weil ich nicht – in den Augen der Gleichmachergesellschaft – ausreichend meinen Bart gestutzt hatte. Man man man. Wegen winzigen Kleinigkeiten, äußerlicher Natur, ein solcher Aufriss. Bärte – Meine Damen und Herren – sind wichtig.
Schal raus, NUR NACH HAUSE – und das Spiel konnte beginnen.
Die Ostkurve machte am Anfang wirklich gut Alarm und jeder erwartete das Beste.
Die Mannschaften jedoch testeten erst mal vorsichtig, was der Gegner heute so vor hatte. Dann plötzlich kam der Ball vors Frankfurter Tor (nicht die U-Bahn-Haltestelle), Voronin setzte zu einem Fallrückzieher – für jeden Fußballfan bleibt das etwas ganz besonderes – an, verfehlte, doch Pante war da und schlug das Ding in die Maschen. Jawoll. Es geht scheinbar weiter, wie es aufhörte. Wenn doch unser Serbenstar nur bliebe wo er ist…
Hertha machte genialer Weise gleich weiter Dampf und erarbeitete sich einige ganz ansehnliche Chancen. Nach einer halben Stunde behakelte Frankfurts Torwächter Pröll unseren Pante und so was gehört sich einfach nicht. Daher piff die Pfeife zu recht Elfmeter, doch wie bei Ecken (beides kann man im Laienauge „wirklich gut trainieren“) vergeigt Hertha solche Gelegenheiten viel zu gern. Heute war Cicero der Schuldige. Wieder mal: man man man. Hat jemand den Riberyelfmeter in der Woche gesehen (oh Hilfe, da fällt mir der KSC im Pokal ein)? Nur der war schlechter, behauptete ich im Moment der vertanen Chance zum 2:0.
In der zweiten Hälfte spielte auch die Eintracht wieder mit und forderte unsere Jungs ganz schön. In der 50. Minute traf Pante zum 2:0 (das bedeutete Jubel), doch ausgerechnet Benjamin Köhler traf gleich danach (das bedeutete, der Jubel war unterbrochen) zum Anschluss für die Adlermannschaft. In der Folge war die Partie einigermaßen zitterig. Doch Herthas Hintermannschaft war – man kann es vielleicht sagen – wieder mal ganz gut drauf und auch Super -Drobneey (keep the ball) Bärenstark. Die drei Auftaktpunkte blieben uns somit am Ende erhalten.
Die Kurve bekommt heute von mir eine 2-. Das war ganz gut, aber – im Lehrerdeutsch – ausbaufähig, gerade hinsichtlich der Konstanz. (Wie immer Blabla wenn es nichts besonderes zur Stimmung zu sagen gibt.)
Jetzt komme ich mal zu Frankfurt:
Die Anhänger der Eintracht werden in Deutschland ja – wie ich finde einigermaßen zu Recht – zu den führenden Szenen gezählt. Automatisch erwartet man, dass die Ultras Frankfurt dem Gästeblock mächtig den Arsch heiß machen und evtl. die beste Auswärtsleistung im Olympiastadion geboten wird. Ich muss sagen, ich war heute enttäuscht. Zwar waren wieder sehr viele Frankfurter (versetzt mit ein paar Gästen, vor allem Chemiker, bei denen ich mich allerdings fragte, was das viele Gelb in der Fahne soll!? Doch nicht etwa, weil die Buchstaben B S G gelblich sind? Na ja soll mir egal sein, doch in anbetracht der Blau-Gelben Nachbarschaft, ach ich breche ab..) da, doch außer zwei drei Momenten, war die Lautstärke nicht wie erhofft (oder vermutet, oder befürchtet, oder erwartet, oder gedacht oder wie Ihr es wollt). Gerade mal der ärmliche Pöbel gegen den KSC war laut zu vernehmen, dazu ein paar Beiträge für ihre Mannschaft. Wie in jedem Frankfurtbericht muss eine übernormale Hüpfeinlagen erwähnt werden, dann war es das aber auch schon. Vielleicht sollten die Erwartungen einfach etwas runtergeschraubt werden, besser als vieles andere war es nämlich trotzdem noch.
Uns beehrten heute die Karlsruher Freunde mit einem ganzen Bus (!), der auf dem Weg nach Bochum erst mal die Hauptstadt ansteuerte um uns gegen die Hessenheinis zu unterstützen. Besten Dank Brüder! Ihr seid sowieso die Besten.

Nach dem Spiel bereitete sich der Großteil auf die FKO-Party vor, doch mir war mehr nach Ruhe vor dem Sturm und der war gleichbedeutend in diesem Fall mit sonntäglichen Lerneinheiten. Halbwilde Mitteilungen über Schals, in nicht Blau-Weißen Farben erreichten mich noch am Abend, doch konnten auch sie meine Augen nicht mehr aufhalten.
Also: Unsere Lady rupfte den Geier in diesem Jahr mal richtig. 6 Punkte und 4:1 Tore. Anders soll es nicht sein, weil die auch einfach mal besser ist. Denn, wenn man die Wahl zwischen einer (ewig) jungen Blondine und einem ältlichen Vogel hat, würde (die deutsche Sprache ist eine würdelose Sprache!) sich ja wohl auch jeder für die Jungfrau entscheiden, oder?

Fazit (mit ganzleicht ironischer Note): Haben wir eine meisterliche Rückrunde vor uns?bsc-sge5

kbk 2009

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