Hertha BSC – FC Bayern München 2:0

Zuschauer: 74.669 (ausverkauft)

Das Land ist gespalten in Bayern-Fans und Anti-Bayern-Fans. In Erfolgsfans und ewige Neider. Oder? Seh ich anders. Ich mache bei dem allgemeinen Bayern-Bashing nicht mit. Nerviger als irgendwelche Dorfis im Bayerntrikots sind doch solche dilettantischen Fußballexperten, die sich nicht mal entscheiden können welches Team sie außer der Nationalelf supporten sollen. Dann doch lieber beweisen, dass man jahrzehntelang ernsthaft ohne Langeweile auf den Dauerbrenner steht. Und mir ist dreimal lieber, dass der FC Bayern die Meisterschaft oder den Pokal zum 100. Mal holt, als dass diese ganzen nervtötenden Clubs, die wir heute in der 1. Liga ertragen müssen, einmal da oben stehen. Abgesehen davon, dass es früher eine Freundschaft zwischen Bayern und Hertha gab, die die jüngeren Generationen beider Seiten respektvoll auf dem Schirm haben, halte ich die Fan- und Ultraszene vom FC Bayern für eine der Besten in Deutschland. Jahrelang sehr fanpolitisch aktiv, konsequent antirassistisch, beeindruckend in der eigenen Vereins- und Geschichtsarbeit, prägend im Stil. Die Gründung der Kurt Landauer Stiftung war in der jüngeren Vergangenheit für mich echt die Krone. Da können wir nur unsere Flexfit Caps ziehen. Und – das habe ich zwar schon mal irgendwo gesagt, aber egal – wer es in diesem Kommerztempel, bei diesem Publikum so lange aushält authentisch das ultrá Ding durchzuziehen, der kriegt von mir großen Respekt. In diesem Sinne, beste Grüße nach München. Heute fokussierte sich ihr Protest auf die Bewahrung der Vereinsfarben in Rot-Weiß. Ein Thema das wir ja auch zur Genüge kennen. Das Mintgrün (?) der Bayertrikots war jedenfalls ne harte Nummer heute. Manch einen Spieler hielt ich für eine Unschärfe in meinem Sehvermögen. Stimmungstechnisch kam ansonsten leider wenig in der Ostkurve an. Das hängt dann vielleicht doch wieder an den vielen FCB Umlandfans. Traurig war noch das Banner für das SM-Mitglied „Krölli“, der leider schwer erkrankt ist. Wir wünschen natürlich gute Besserung! Die ist wichtiger als alles andere.

Aber kommen wir mal zu Hertha. Jeder hat ja so seine eigene Definition unserer Alten Dame. Für mich war Hertha – bis auf wenige Ausnahmen – immer der dusselige Verein, der nie die ganz großen Spiele gewinnen kann. Bestes Beispiel war das Pokalhalbfinale gegen Dortmund vor zwei Jahren. Oder die Abstiegsrelegationsspiele. Oder die K.O.-Runden-Spiele im Europapokal. Wenn es richtig drauf ankommt, kannste gegen Hertha wetten. Denn, dass wir die wirklich großen Spiele gewinnen ist so wahrscheinlich wie die Abschaffung der Maß auf der Wies’n. (Der ich im Übrigen nichts abgewinnen kann.) Vielleicht liegt es daran, dass wir so früh in der Saison gegen den FCB antreten sollten? Vielleicht war es einfach kein großes Spiel? Was könnte es sonst noch gewesen sein? Denn ja – alter! – wir haben das verdammte Spiel gegen Bayern gewonnen!!

Es kann nur Niko Kovac verantwortlich sein. Oder? Immerhin wurde im Vorfeld des Spiels bekannt, dass der Ex-Herthaner beim FC Bayern die internen Strafkataloge abgeschafft hat. Er setzt auf Eigenverantwortung, quasi das Gegenmodell zum Justizvollzugsbeamten Philipp Lahm, der für jede Kippe oder Möhre auf dem Zimmer oder wofür auch immer kräftig abkassierte. Ja die Tage des Roman Herzog Fans sind vorbei. Bricht jetzt die Anarchie an der Säbener Straße aus? Nicht ganz! Beim gemeinsamen Essen gilt striktes Handyverbot! Außerdem Messer links und Gabel rechts. Vermutlich waren die Starkicker mit ihren Köpfen bei derartig diffizilen Fragen der Alltagsmoral, als sie von unseren disziplinierten, hellwachen, blitzschnellen, trickreichen und effizienten Herthanern überrascht wurden. Yes. Das war einfach unsere Stunde. Oder besser gesagt unsere 90 Minuten.

Das 1:0 fiel durch Vedad Ibisevic per Foulelfmeter in der 23. Minute. Es war ja schon geil das „zu Null“ bis dahin gehalten zu haben. Gerade ohne Rune. (Nichts gegen TK, aber..) Und was für ein spitzenmäßiger Elfer. So sicher! Führung gegen den Rekordmeister. Für alle Blau-Weißen im Stadion natürlich extrem genial. Wie würde die Nummer weitergehen? Mit vielem war zu rechnen. Nicht aber mit dem 2:0 durch Ondrej Duda (Vorlage Lazaro) kurz vor der Pause. Pure Ekstase. Dafür hat sich der ganze Mist in den letzten Jahren doch gelohnt. Hertha spielte (für unsere Verhältnisse) so schön, wie man es sich schöner nicht vorstellen könnte. Auch der schnelle Javairo Dilrosun gefiel mir gut. Wie der Kicker auf ne „4“ kommt ist mir schleierhaft.

Und dann die zweite Halbzeit. Was nach dem ersten Durchgang folgen würde war klar: Massives Anrennen der Bayern. Früher oder später musste Torhüter Kraft oder unsere Abwehr das Nachsehen haben. Doch die Angriffe schlugen fehl..alle. Jeder einzelne. Die angespannte Stimmung in der Ostkurve verriet, was sich in unseren Köpfen abspielte: Ey alter, hallo, wenn das so weiter geht gewinnen wir vielleicht wirklich gegen „die“. Ab der letzten Viertelstunde war die Kurve dann voll im Modus und endlich so laut, wie es das Spiel verdient hatte. Heißes Ding – wie die Fackel, die in der ersten Halbzeit neben F. Kafka explodierte. Da sagte ich noch zu PP nach dem Vedad Elfer „jetzt ne Fackel – wie geil wäre das“ und prompt geht nach dem 2:0 so ein Ding los. Lustig. Gerade weil es seit vielen Jahren nie irgendwelche Fackeln oder Rauchtöpfe auf der Heimseite gegeben hat. Und dann springen die Funken natürlich in der Nähe der Gruppa Süd. Wo sonst. Ihr wisst schon GSB – das G steht für Griminals.

Nach dem Feiern mit der ersten Uffta gefühlt seit Ewigkeiten ging es für mich zur S-Bahn wo tausende Suffkutten wieder ihre Show hatten. („Ein bisschen weiß, ein bisschen rot und du siehst aus wie ein Idiot..“ usw.) Peinlicher ist nur das Verhalten von Herthafans im Pissoirbereich der Toilettenanlagen im Stadion. Schwanzlänge, Kotzen und Scheißen. Themen die man gerne im Beisein von Dutzenden Unbekannten in aller Ausführlichkeit diskutiert. Specki neben mir war es alles egal – er steht laut brüllend auch mit kleinem Schwanz am Pissbecken. Darauf ein herzliches „na und“. Freue mich über Berichte was auf den Frauenklos so los ist. Hope this finds ye all well.

Deutscher Meister Hertha BSC!

KBK’18

(Fotos: Marcel)

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