{"id":1551,"date":"2017-04-19T07:00:51","date_gmt":"2017-04-19T05:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/?p=1551"},"modified":"2022-09-18T18:12:30","modified_gmt":"2022-09-18T16:12:30","slug":"__trashed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/?p=1551","title":{"rendered":"Zur Erinnerung an Dr. Hermann Horwitz"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Hermann Horwitz. Nie geh\u00f6rt? Solltet Ihr aber. Denn Dr. Horwitz hat die Geschichte von Hertha BSC ganz entscheidend mitgepr\u00e4gt: Als Mannschaftsarzt war er in den 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre entscheidend am Erfolg der wahrscheinlich gr\u00f6\u00dften Hertha-Mannschaft um Spieler wie Paul Gehlhaar, Otto Leuschner und Hanne Sobek beteiligt. Selbige kr\u00f6nte die erfolgreichste Phase von 1926 bis 1931, bei der Hertha sechsmal im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft stand, mit Gewinn selbiger in den Jahren 1930 und 1931.<\/p>\n<p>Die Arbeit von Hermann Horwitz ist deshalb so bemerkenswert, weil Sportmedizin ein ganz neues Besch\u00e4ftigungsfeld war &#8211; bis dato hat man Medizin vor allem als Heilung von Krankheiten verstanden, nun aber wurden Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen an gesunden K\u00f6rpern vorgenommen. Dazu geh\u00f6rten Dinge, die jedem Fu\u00dfballfan und Sportler heute ganz selbstverst\u00e4ndlich vorkommen: Zum Beispiel Massagen und eine Ern\u00e4hrung nach Ma\u00dfgaben des Sports. Dr. Horwitz war ein Pionier seiner Zeit und hat sich, ab und zu auch gegen den anf\u00e4nglichen Widerstand der Spieler, mit seinen Methoden durchgesetzt und so einen sehr guten Ruf bei Hertha BSC erworben.<\/p>\n<p>Die Biographie von Hermann Horwitz ist aber auch wegen seines Schicksals bemerkenswert: Als Kind j\u00fcdischer Eltern galt er selbst als Jude &#8211; ob er tats\u00e4chlich praktizierender Jude war, ist nicht bekannt. Wohl aber, dass er im 1. Weltkrieg f\u00fcr Deutschland gedient hatte. In den Augen der NS-Ideologen machte das keinen Unterschied: Dr. Horwitz wurde von den Nazis diskriminiert, seiner Lebensgrundlage beraubt und am <strong>19. April 1943, also vor genau 74 Jahren,<\/strong> vom G\u00fcterbahnhof Moabit ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort arbeitete er einige Zeit im sogenannten &#8222;Schonungsblock&#8220; und rettete durch seinen Einsatz nachweislich das Leben von mindestens einem Mith\u00e4ftling. Schlie\u00dflich aber verliert sich seine Spur &#8211; die Nazis ermordeten Hermann Horwitz.<\/p>\n<p>Seit einigen Monaten haben sich engagierte Hertha-Fans bei einem Projekt aktiv an der Erforschung des Lebens unseres ehemaligen Mannschaftsarztes beteiligt. Wir unterst\u00fctzen das Projekt von Herzen und sind froh, dass auch ein Gruppa-Mitglied mitforscht. Diese Arbeit ist eine total wichtige Besch\u00e4ftigung mit dem Nationalsozialismus, mit der deutschen Vergangenheit, aber auch ein Zeichen gegen die Nazis von heute. Auch bei uns im Stadion h\u00f6rt man vereinzelt antisemitische Rufe oder andere rassistische Beleidigungen. Es wird Zeit, dass alle Herthaner und Herthanerinnen gegen solche \u00c4u\u00dferungen aufbegehren, und dass die Umstehenden den Mut finden, die Leute, die solche Sachen rufen, zurechtzuweisen.<\/p>\n<p>Noch vor der eigentlichen Ver\u00f6ffentlichung der Brosch\u00fcre, erschien nun ein Artikel zu <a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/texte\/anzeigen\/45855\">Hermann Horwitz im Magazin der S\u00fcddeutschen Zeitung<\/a> &#8211; diesenm\u00f6chten wir Euch absolut empfehlen.<\/p>\n<p>Gruppa S\u00fcd Berlin (April 2017)<\/p>\n<p><em>\u201eGesellschaft\/Leben 06. April 2017<\/em><\/p>\n<p><em><span class=\"autor\"> <span class=\"author-name\">Von Lars Reichardt\u00a0<\/span> <span class=\"credits-name\">Foto: Daniel Hofer<\/span> <\/span><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Der heldenhafte Tod des Hertha-Arztes\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Der fr\u00fchere Mannschaftsarzt von Hertha BSC starb als Jude in Auschwitz. Nun haben Hertha-Fans versucht, sein Schicksal zu rekonstruieren \u2013 und entscheidende Hinweise in einem alten SZ-Magazin-Artikel entdeckt.<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1552 size-full\" src=\"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/92176.jpg\" alt=\"92176\" width=\"940\" height=\"529\" srcset=\"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/92176.jpg 940w, https:\/\/www.gruppa-sued.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/92176-375x211.jpg 375w, https:\/\/www.gruppa-sued.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/92176-624x351.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 940px) 100vw, 940px\" \/><\/p>\n<p><em>Niemand kennt sein Gesicht. Nicht einmal sein Todesdatum wei\u00df man mit Bestimmtheit. Irgendwann zwischen dem 19. April 1943 und 27. Januar 1945 muss es liegen. Als Auschwitz befreit wurde, hat er jedenfalls nicht mehr gelebt. <\/em><\/p>\n<p><em> Hermann Horwitz war nach dem Krieg in Vergessenheit geraten. Niemand interessierte sich f\u00fcr den j\u00fcdischen Arzt aus Berlin, niemand stellte einen Antrag auf Entsch\u00e4digung so wie f\u00fcr Hermanns Bruder Bruno, niemand wollte die Verwicklung des Sports in die Politik des Dritten Reichs untersuchen. Ohne das Jubil\u00e4um eines Fu\u00dfballvereins w\u00e4re er immer noch vergessen. <\/em><\/p>\n<p><em>Horwitz war Mannschaftsarzt von Hertha BSC, er war einer der ersten seiner Art bei einem Fu\u00dfballverein, es handelte sich damals noch um eine ehrenamtliche T\u00e4tigkeit. Kranke Sportler gingen zum Arzt, dass auch gesunde einen aufsuchten &#8211; zur Pr\u00e4vention, zur besseren Regeneration, zur \u00dcberwachung &#8211; war relativ neu. Horwitz schrieb eines der ersten B\u00fccher der neuen Gattung Sportmedizin: Die Sportmassage, auch das hat lange kaum jemand gewusst. Dabei stand das Buch die ganze Zeit in der Berliner Staatsbibliothek. Fu\u00dfballfans haben es entdeckt, Mitglieder des Projekts \u00bbSpurensuche\u00ab, vergangenes Jahr auf Initiative der Fans ins Leben gerufen, um historische Nachforschungen zum Thema Hertha im Dritten Reich anzustellen.<\/em><\/p>\n<p><em>Sicher mindestens 12 Jahre lang, von 1923 bis 1935 hat Horwitz f\u00fcr Hertha BSC gearbeitet, es waren die bis heute sportlich erfolgreichsten Jahre des Berliner Fu\u00dfballvereins und Bundesligisten. Sechs Mal hintereinander erreichte die Mannschaft um den legend\u00e4ren Hanne Sobek das Finale zur Deutschen Meisterschaft, zwei Mal, in den Jahren 1930 und 1931, gewann man sie auch. Bis heute blieben es die einzigen Meistertitel Herthas. <\/em><\/p>\n<p><em> Am 15. September 1935 traten die N\u00fcrnberger Rassengesetze in Kraft. Horwitz war Jude. Wahrscheinlich kurz vor oder nach Verabschiedung der Rassengesetze legte er sein Amt als Mannschaftsarzt nieder. Sp\u00e4ter wurde er sogar vom Verein ausgeschlossen. Vermutlich im Herbst 1938. Eigentlich ein R\u00e4tsel, warum der Rausschmiss so sp\u00e4t stattfand. Schon 1933 hatte ein strammer Nazi den bisherigen Vereinsvorsitzenden von der SPD abgel\u00f6st. Der Zweck des Sportvereins wurde abge\u00e4ndert: zur \u00bbleiblichen und seelischen Erziehung seiner Mitglieder im Geiste des nationalsozialistischen Volksstaates\u00ab. <\/em><\/p>\n<p><em> Ein Historiker hat den Namen Horwitz vor einigen Jahren in Erinnerung gebracht, hat das wenige in seinem Buch zur Geschichte von Hertha BSC referiert, das man von seinem Leben noch wusste: Geburtsdatum, Privat-Adresse in Berlin-Charlottenburg, ungef\u00e4hre Dauer seiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr Hertha BSC, Deportation nach Auschwitz. Der Historiker Daniel Koerfer vermutete, dass Horwitz gleich nach seiner Ankunft am 19. April 1943 vergast wurde. <\/em><\/p>\n<p><em> Die Fans interessierten sich daf\u00fcr, wer dieser Horwitz war. Sie wollten mehr \u00fcber sein Leben, seine Arbeit und die Vergangenheit ihres Clubs im Dritten Reich erfahren, sie waren sogar dazu bereit, selbst in Archiven zu w\u00fchlen. Das st\u00e4dtische Fanprojekt und der Verein unterst\u00fctzten sie. Zwei Fanbetreuer, Stefano Bazzano und Ralf Busch, und zwei Historiker, Juliane R\u00f6leke und S\u00f6hnke Vosgerau, berieten die Hobby-Forscher. Bazzano steht jedes Wochenende im Stadion in der Kurve. R\u00f6leke hat sechs Jahre in der Gedenkst\u00e4tte Sachsenhausen gearbeitet.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Sport war nie so unpolitisch, wie oft behauptet wird. Die Fu\u00dfballvereine 1860 M\u00fcnchen und VfB Stuttgart gelten als Negativbeispiele f\u00fcr Anbiederung an den Nationalsozialismus, der FC Bayern und sein j\u00fcdischer Pr\u00e4sident Kurt Landauer als eher positives Beispiel. Aber alle Vereine tun gut daran, ihr Verhalten in den Drei\u00dfigerjahren n\u00e4her zu beleuchten. Ein Bekannter von Juliane R\u00f6leke hat bei Borussia Dortmund mit Fans Besuchsfahrten in die Gedenkst\u00e4tte Auschwitz organisiert. R\u00f6leke ist mit Hertha-Fans gefolgt. Es gibt in Deutschland seit der Jahrtausendwende einige solcher Fanprojekte bei Traditionsvereinen, die DFL unterst\u00fctzt die Aufkl\u00e4rungsarbeit finanziell, und die Angebote der Fanbetreuer in den Vereinen werden gut angenommen. Bei Hertha zeigten die Fans allerdings Eigeninitiative \u2013 Fu\u00dfballfans sind nicht so unpolitisch, wie man meint. <\/em><\/p>\n<p><em> Etwa f\u00fcnzehn Leute waren es, die f\u00fcr Hertha in Archiven nach Geburtsurkunden, Zeugnissen, Berichten von Auschwitz-\u00dcberlebenden, Fotosammlungen und Berliner Adressb\u00fcchern gesucht haben. Studenten, Rentner, Berufst\u00e4tige &#8211; zehn Leute geh\u00f6rten zum harten Kern. Warum interessierten sich Fans f\u00fcr einen lange verstorbenen Mannschaftsarzt, \u00fcber den man nur so wenig wusste? <\/em><\/p>\n<p><em> Von einem Mannschaftsarzt wie Hans-Wilhelm M\u00fcller-Wohlfahrt, der viele Jahre f\u00fcr den FC Bayern gearbeitet hat, wei\u00df man heute noch, was er fr\u00fchst\u00fcckt und mit wem seine Tochter liiert ist. Von Horwitz wei\u00df man kaum, wie seine Arbeit bei Hertha aussah. Untersuchte er die Fu\u00dfballer auf dem Trainingsgel\u00e4nde oder nur in seiner Praxis, die sich wahrscheinlich in Charlottenburg in der N\u00e4he seiner Wohnung befand? War er bei Heimspielen zugegen? Schon m\u00f6glich. Der Beruf des Sportmediziners entstand erst in den Zwanzigerjahren. Nur zwei andere Clubs besch\u00e4ftigten damals einen eigenen Mannschaftsarzt. Heute ist der Beruf aus dem Profifu\u00dfball nicht mehr wegzudenken. <\/em><\/p>\n<p><em> Im Juni vergangenen Jahres stolperte Juliane R\u00f6leke im Internet \u00fcber eine Geschichte im SZ-Magazin, die 2013 erschienen war und immer noch online zu lesen ist: <a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/texte\/anzeigen\/40669\/Ein-Mann-mit-Vergangenheit\" target=\"_blank\">\u00bbEin Mann mit Vergangenheit\u00ab<\/a>. Der Autor schreibt darin \u00fcber seinen Stief-Gro\u00dfvater Erwin Valentin, von dessen Zeit in Auschwitz er nur durch Zufall und lange nach dessen Tod erfahren hat. In einem Brief des Stief-Gro\u00dfvaters kommt ein Dr. Horwitz zu Wort, ohne Vornamen. Er rettet den Gro\u00dfvater laut dessen Brief vor der Gaskammer, mit den Worten: \u00bbHerr Lagerarzt, ich kenne den Mann aus Berlin, der war Athlet und wird sich wieder erholen. Und au\u00dferdem ist er Chirurg und wir brauchen einen Chirurgen.\u00ab Juliane R\u00f6leke stutzte. Handelte es sich wirklich um Hermann Horwitz? Der wurde doch angeblich gleich nach Ankunft selbst vergast? Aber der Kontext &#8211; Sportler und Arzt -, in dem sein Name f\u00e4llt, erh\u00e4rtete den Verdacht, es musste sich um Hermann Horwitz handeln. R\u00f6leke rief den Autoren des Artikels im SZ-Magazin an, rief also mich an, ob ich vielleicht noch mehr Material zu Horwitz h\u00e4tte? Hatte ich leider nicht. <\/em><\/p>\n<p><em> Bald fand sich die Best\u00e4tigung, dass im Brief meines Stief-Gro\u00dfvaters tats\u00e4chlich die Rede von jenem Hermann Horwitz ist, der f\u00fcr Hertha gearbeitet hatte, und dass er noch l\u00e4nger gelebt haben musste, als man bisher annahm. Hermann Horwitz verrichtete als sogenannter H\u00e4ftlingsarzt Zwangsarbeit. Dabei hat er, bevor er umkam, wohl noch mehr Menschenleben gerettet als das meines Stief-Gro\u00dfvaters. H\u00e4ftlings\u00e4rzte der Baracke Neun in Auschwitz bildeten ein geheimes Netzwerk, das Gefangene m\u00f6glichst kurz krank schrieb, um sie systematisch vor dem Gang in die Gaskammer zu retten. Das geht aus der nach dem Krieg aufgezeichneten Aussage eines \u00fcberlebenden H\u00e4ftlings hervor: Dr. Jan Zielina, der selbst H\u00e4ftlingsarzt in Auschwitz gewesen war. Seine Aussage erschien in der DDR in einer Anthologie \u00fcber Medizin in Auschwitz. Hermann Horwitz wird darin zwar nicht namentlich genannt, es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass er zu den H\u00e4flings\u00e4rzten geh\u00f6rte, die sich im Rahmen ihrer M\u00f6glichkeiten den Nazis widersetzten und nicht nur Erwin Valentin das Leben retteten. Mein Stief-Opa Erwin Valentin wurde von Dr. Zielina hingegen explizit als Mitglied jenes Netzwerkes bezeichnet \u2013 auch diese Tatsache \u00fcber sein Leben war mir v\u00f6llig neu. <\/em><\/p>\n<p><em> Das Team forschte weiter, wollte wissen, wie Horwitz aufgewachsen war, wer zu seiner Familie geh\u00f6rte? Haben seine Geschwister \u00fcberlebt? Und wie sah der Mann ohne Gesicht wohl aus? <\/em><\/p>\n<p><em> Hermann Horwitz wird am 27.12.1885 in Berlin geboren und hat f\u00fcnf Geschwister. Die Kinder wachsen am Prenzlauer Berg auf. Wahrscheinlich 1904 macht Hermann Abitur, beginnt sein Medizinstudium in Berlin, wird 1917 an der Front eingesetzt, promoviert 1920 \u00fcber Lungentuberkulose, nachdem sein Vater daran erkrankt und drei Jahre zuvor verstorben war. Hermanns Eltern werden auf dem j\u00fcdischen Friedhof Wei\u00dfensee begraben. Er heiratet, wird geschieden, ob er Kinder hat, ist nicht bekannt. Auch ob er gl\u00e4ubig und praktizierender Jude ist, kann das Team nicht herausfinden. 1922 macht Hermann eine Praxis als Allgemeinmediziner auf, 1926 ver\u00f6ffentlicht er sein Buch zur Sportmassage. Anfang der Zwanzigerjahre beginnt Horwitz sein Engagement bei Hertha BSC. Die Spiele finden im Stadion am Gesundbrunnen statt, das 1974 abgerissen werden wird. Bei den Spielern war er offenbar beliebt, das zeigt eine Strophe aus einem Lied zur Meisterschaftsfeier 1931: \u00bbDr. Horwitz, unser Einsenbart, au au au. Gar wundersame Mittel hat, au au au. Er schaut uns an mit tiefem Blick, au au au. Schon zieht die Krankheit sich zur\u00fcck, au au au.\u00ab <\/em><\/p>\n<p><em> Kurz nach der Machtergreifung der Nazis verlieren alle j\u00fcdischen \u00c4rzte ihre Kassenzulassung. 1938 erfolgt ein Berufsverbot. Horwitz darf als einer der wenigen j\u00fcdischen \u00c4rzte als Krankenbehandler weiterarbeiten, sich aber nur um j\u00fcdische Patienten k\u00fcmmern. <\/em><\/p>\n<p><em> Die Hertha-Fans st\u00f6bern sogar Horwitz&#8216; Verm\u00f6genserkl\u00e4rung auf, die er im Sammellager in der Gro\u00dfen Hamburger Stra\u00dfe 26 in Berlin-Mitte abgeben muss, bevor er im G\u00fcterbahnhof Moabit in den Zug gesteckt wird, der ihn nach Auschwitz bringt. <\/em><\/p>\n<p><em> Einen Tag dauert die Zugfahrt nach Auschwitz. An der sogenannten Rampe werden arbeitsuntauglich wirkende Gefangene gleich nach Ankunft in die Gaskammern geschickt. Hermann Horwitz bliebt dieses Schicksal vorerst erspart, er erh\u00e4lt die H\u00e4ftlingsnummer 116761. <\/em><\/p>\n<p><em> Eine Woche arbeitet er im Nebenlager Buna, dann wird er ins Stammlager verlegt und im Block Neun als H\u00e4ftlingsarzt eingesetzt. Block Neun gilt als Schonungsblock, in dem erkrankte Arbeitskr\u00e4fte m\u00f6glichst schnell wieder fit genug f\u00fcr die Zwangsarbeit gemacht werden sollen. Zur Behandlung stehen nur Kohle und Aspirin zur Verf\u00fcgung. Flecktyphus grassiert, meist verursacht durch Fl\u00f6he und L\u00e4use. Die H\u00e4ftlings\u00e4rzte stehen vor dem Dilemma, dass die Rettung eines Patienten meist den Tod eines anderen bedeutet. Der Auschwitz-\u00dcberlebende Jan Zielina wird nach dem Krieg von dem System berichten, mit dem er und andere H\u00e4ftlings\u00e4rzte m\u00f6glichst viele Patienten das Leben retteten: \u00bbWir strichen die Schwerkranken aus den Krankenlisten und den \u00fcbrigen erteilten wir Weisungen, wie sie sich dem Lagerarzt gegen\u00fcber zu verhalten haben und zwar in strammer Haltung mit angespannten Muskeln zu stehen, um sich f\u00fcr kr\u00e4ftig und gesund auszugeben. Unsere Kollegen, die j\u00fcdischen \u00c4rzte, mussten dabei sein und sie stellten den Gesundheitszustand der Kranken in m\u00f6glichst g\u00fcnstigem Licht dar. Es wurden dabei unwahre Krankheitsgeschichten vorgelegt, in denen die Ergebnisse zus\u00e4tzlicher Untersuchungen und die Zeit des Verweilens der Patienten im Krankenbau gef\u00e4lscht waren. Wir begegneten oft der Unzufriedenheit und Emp\u00f6rung seitens der Kranken, die keineswegs \u00fcber das, was sie erwartete, offiziell informiert sein durften. Sie waren oft entr\u00fcstet \u00fcber ihre Entlassung aus dem Krankenbau, obwohl sie schwer krank waren. Besonders naiv waren in dieser Hinsicht die Juden aus Ungarn. Sie kamen nach Auschwitz in gro\u00dfen Transporten und glaubten den SS-lern, dass sie zur Arbeit hergeschickt wurden.\u00ab <\/em><\/p>\n<p><em> Zwei Geschwister von Hermann Horwitz werden in Vernichtungslagern ermordet. Irmgard Ida Horwitz wandert rechtzeitig vor dem Krieg nach Buenos Aires aus und stirbt erst im Alter von 80 Jahren. Ein Bruder \u00fcberlebt den Krieg unbeschadet in Berlin und stirbt 1958. \u00dcber den Verbleib der \u00e4ltesten Schwester ist nichts bekannt. <\/em><\/p>\n<p><em> Vor der Prager Stra\u00dfe 24, dem letzten bekannten Wohnort von Hermann Horwitz, wurde 2013 ein Stolperstein verlegt, der an seine Ermordung erinnern soll. Im April gibt die Gruppe von Hertha-Fans eine Brosch\u00fcre mit den Ergebnissen ihrer Nachforschungen zu Herthas Held im \u00bbDritten Reich\u00ab heraus. <\/em><\/p>\n<p><em> Im sogenannten Ort der Information neben dem Berliner Stelenfeld wird in K\u00fcrze auch die Biografie von Hermann Horwitz verlesen. Das Berliner Stadtmuseum zeigt anl\u00e4sslich des Jubil\u00e4ums zur Vereinsgr\u00fcndung vor 125 Jahren ab 25. Juli eine Ausstellung zur Geschichte von Hertha BSC, bei der die Lebensl\u00e4ufe von elf Personen stellvertretend f\u00fcr die Vereinsgeschichte\u00a0 stehen werden. Spieler wie Hanne Sobek, Ete Beer, Marcelinho und Jerome Boateng stehen f\u00fcr die sportlichen Erfolge des Vereins. Das Schicksal von Hermann Horwitz wird das dunkle Zeitalter der Drei\u00dfigerjahre beleuchten. <\/em><\/p>\n<p><em> Das exakte Todesdatum und ein Foto fehlen immer noch. In den vielen Kartons mit unbeschrifteten Fotos im Vereinsarchiv findet sich keines, auf dem sich der Mannschaftsarzt zweifelsfrei identifizieren lie\u00dfe. Hermann Horwitz bleibt ein Mann ohne Gesicht.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Hermann Horwitz. Nie geh\u00f6rt? Solltet Ihr aber. Denn Dr. Horwitz hat die Geschichte von Hertha BSC ganz entscheidend mitgepr\u00e4gt: Als Mannschaftsarzt war er in den 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre entscheidend am Erfolg der wahrscheinlich gr\u00f6\u00dften Hertha-Mannschaft um Spieler wie Paul Gehlhaar, Otto Leuschner und Hanne Sobek beteiligt. Selbige kr\u00f6nte die erfolgreichste Phase von 1926 bis 1931, bei der&#8230; <a href=\"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/?p=1551\">Read more &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1552,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1551"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1551"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1551\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1572,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1551\/revisions\/1572"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1552"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}