{"id":651,"date":"2007-03-15T12:45:15","date_gmt":"2007-03-15T10:45:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/?p=651"},"modified":"2022-09-18T18:12:35","modified_gmt":"2022-09-18T16:12:35","slug":"carl-zeiss-jena-karlsruher-sc-13-11-3-07","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/?p=651","title":{"rendered":"Carl-Zeiss Jena &#8211; Karlsruher SC (1:3) (11.3.07)"},"content":{"rendered":"<p>Der Wecker schepperte, die Nacht war vorbei. Ich kroch aus meinem Loch und schleppte mich ins Bad. Ich genoss das hei\u00dfe Wasser, \u00e4rgerte mich anschlie\u00dfend \u00fcber ein stocksteifes Handtuch, stieg in frische Klamotten, griff den Rucksack und schlenderte bei eitel Sonnenschein die Stra\u00dfe hinab. In seinem Auto hing Frank und qu\u00e4lte ein sehr mickriges &#8222;Mojen&#8220; zwischen seinen Z\u00e4hnen hervor, dass ich \u00fcberlegen musste, ob die Frage nach seiner Nachtruhe unangebracht sei. Am Ostbahnhof huschten wir noch schnell in den ReWe und versorgten uns mit dem N\u00f6tigsten. Kurze zeit sp\u00e4ter traf Michael ein und bestellte bei Ronalds ein so seltenes Gericht, dass wir fast den Zug verpassten, weil das Blondchen ihm nicht seinen Herzenswunsch innerhalb unseres Zeitplans erf\u00fcllen konnte.<!--more--><\/p>\n<p>Im hintersten Wagen der Regionalbahn bereiteten wir uns auf ein gechilltes abgammeln vor und sorgten mit Todesblicken daf\u00fcr, dass sich keine Zivilisten in unser Abteil verirrten. An den restlichen Stadtbahnh\u00f6fen stiegen dann noch einige Blau-Wei\u00dfe ein, so dass wir mit den 8 Karlsruhern vom Vortag nun 56 Personen waren. Diese Daten sind f\u00fcr die Chronisten unter euch und f\u00fcr die Feinde, die solche Informationen in ihre schwarzen B\u00fccher schreiben, die fr\u00fcher mal Hausaufgabenhefte waren und dann in einer langweiligen Mathestunde mit dem Edding ganz schwarz angemalt wurden.<\/p>\n<p>Mit einem Ohr lauschte ich den Geschichten vom Vorabend, versuchte noch einmal \u00fcber den gezogenen Celtic&amp;St.Pauli-Schal zu l\u00e4cheln, der angeblich einem Unioner geh\u00f6rt haben musste und dann h\u00f6rte ich nur noch monotones Gebrabbel und war weit weg. Frank berichtete mir sp\u00e4ter, dass ich beim schlafen schei\u00dfe aussah und irgendwer meinte ich sei st\u00e4ndig mit dem Kopf abgeknickt, so wie der Karlsruher vor wenigen Stunden im Bus, der es &#8211; ich habe es mit eigene Augen gesehen &#8211; schaffte pro Minute f\u00fcnf mal den Kopf zu heben und dann wieder fallen zu lassen, w\u00e4hrend er schlief und die Pornodarsteller animalische Ger\u00e4usche machten.<\/p>\n<p>In Magdeburg wurde ohne Zwischenf\u00e4lle umgestiegen und weiter ging es mit einem Bummelzug durch die sch\u00f6nen Lande Sachsen-Anhalts nach Halle, wo wir wiederum ohne Zwischenf\u00e4lle umstiegen und einen weiteren Bummelzug betraten, in dem Johnny eine T\u00fcte Puffreis verstreute, was der andere Johnny von der Gruppo bereits prophezeit hatte. Wir lie\u00dfen Leuna-Nord und Leuna-S\u00fcd ohne Zwischenf\u00e4lle hinter uns und kamen an einen unwichtigen Ort im Dornburger Land, wo wir ein letztes mal den Bummelzug wechseln mussten. Auf dem Bahnsteig in Nirgendwo standen einige junge Jenaer die rumposen konnten wie Jugendliche auf dem Spielplatz am Richardplatz in Neuk\u00f6lln. Als wir dann ausgestiegen waren, waren sie pl\u00f6tzlich verschwunden..<\/p>\n<p>\u00dcbrigens hatte die Polente heute total verpennt und unseren Zug verpasst! Bis Jena, hatte ich nur einen Wachmann gez\u00e4hlt und der war schon etwas in die Jahre gekommen und hielt uns scheinbar f\u00fcr ne Schulklasse. Mensch Jungs was ist los mit Euch? Heute h\u00e4ttet Ihr uns alle verknacken k\u00f6nnen! Nichtmal Roy hatte heute Tickets. Wir haben Kinder verpr\u00fcgelt und Rauchbomben in der ersten Klasse gez\u00fcndet. Wir haben Drogen missbraucht und drei Bratwurstst\u00e4nde ausgeraubt..und ihr habt uns verpasst..<\/p>\n<p>Ins Ernst-Abbe-Sportfeld kam heute nicht jeder, da eine Alkoholkontrolle alle Sonnenbrillentr\u00e4ger in die Knie zwang. In der Mitte von Heimkurve und P\u00f6beltrib\u00fcne liegt in Jena derzeit der G\u00e4steblock, was echt ne Abwechslung zum gew\u00f6hnlichen G\u00e4steblockbesuch ist. Die Heimkurve mit der HA \u00fcberzeugte mich optisch und manchmal auch Akustisch. Die p\u00f6belnde Trib\u00fcne war das Pendant und zusammen sorgte das Heimpublikum wirklich f\u00fcr eine gute Stimmung. Die Anh\u00e4nger in Blau und Weiss waren nun aufgefordert zun\u00e4chst einen Puffer zwischen den beiden Stimmungskernen aufzubauen und sie dann beide niederzuschreien. Ich denke das gelang ganz gut, denn die Ges\u00e4nge der Jenaer konnte mein Ohr nur selten finden, obwohl sie teilweise lautstark sangen. Ein Wort muss ich noch zum verehrten Kollegen auf dem Zaun sagen, der mit Wortwitz und einer unglaublich emotionsgeladenen Stimme wieder 120% auf seinem Posten gab und schon alleine die Reise wert gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Der KSC schien die Lektion, die der FC Augsburg vor zwei Wochen erteilt hatte gelernt zu haben und spielte sehr souver\u00e4n. Bereits nach drei Minuten traf Federico &#8211; der den KSC ja \u00e4rgerlicher Weise verlassen wird &#8211; zum 1:0. Danach kam der FC Carl-Zeiss etwas besser ins Spiel und schaffte den Ausgleich durch einen Mann namens Zimmermann (23.). Aber, wie angesprochen, der KSC spielte eines Aufsteigers w\u00fcrdig und konnte die erneute F\u00fchrung durch Edmond Kapllanis Kopfball noch in der ersten Halbzeit (42.) erzielen. Die zweite Halbzeit verlief dann nach Plan. Jena kam nat\u00fcrlich, die Abwehr der Badener hielt aber stand und Carnell traf im Gegenzug in der 64. Minute zum 3:1 f\u00fcr den KSC. Kapllani schoss noch ein zweites Tor, das der Unparteiische allerdings nicht gab.<\/p>\n<p>Nach der inzwischen obligatorischen Humba, bei der die Mannschaft komplett am Rad drehte und nachdem einige Spieler bereits ihre Schuhe verschenkt hatten, ging es dann leider an die Verabschiedung von unseren Freunden. Zusammen mit einigen anderen Herthafans marschierten wir zum Bahnhof in Begleitung zahlreicher Gr\u00fcner, was wohl in diesem Moment nicht von Nachteil f\u00fcr uns war. Wir bestiegen den erstbesten Zug, was ein InterCityExpress war. Der Schaffnerin wurde erkl\u00e4rt, dass uns die Bullen gesagt h\u00e4tten, wir sollten den Zug nehmen und die kostenlose R\u00fcckfahrt in 90 Minuten war geritzt. Alle am\u00fcsierten sich, verarschten die Fahrg\u00e4ste, beschenkten die Kellnerin in der Mitropa mit dem Celticschal und bekamen im Gegenzug Bier f\u00fcr lau oder spielten mit einem Klostein rum, der nach Zimt roch. Alles war wie immer bis das unwirkliche, nahezu unaussprechliche eintrat: Mein Vater stand im Gang. Ich bitte den Leser dieses Berichtes den letzten Satz w\u00f6rtlich zu verstehen und jeglichen ironischen Deutungsversuch zu unterlassen. Da es vermutlich noch nicht viele vor mir erlebt haben: Es ist ein Gef\u00fchl, dass man am besten mit einer Mischung aus &#8222;beim wichsen erwischt&#8220; und &#8222;eingepullert&#8220; beschreiben kann. Nat\u00fcrlich hob dieses Ereignis die Stimmung nochmal, bis kurze Zeit sp\u00e4ter die Fahrt in &#8211; wie die Lokalpatrioten sagen &#8211; Berlin-Papestra\u00dfe endg\u00fcltig beendet war.<\/p>\n<p>Fazit: Ein wirklich sch\u00f6nes Spiel in einem sch\u00f6nen Fussballstadion, in dem ich mich drei mal wohler f\u00fchle als im Betonklotz von M\u00f6nchengladbach und ein Ende der Ausw\u00e4rtsfahrt, dass egal welche Drogen man auch genommen hat, nicht krasser sein k\u00f6nnte. KApolista al\u00e9!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">kbk 2007<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wecker schepperte, die Nacht war vorbei. Ich kroch aus meinem Loch und schleppte mich ins Bad. Ich genoss das hei\u00dfe Wasser, \u00e4rgerte mich anschlie\u00dfend \u00fcber ein stocksteifes Handtuch, stieg in frische Klamotten, griff den Rucksack und schlenderte bei eitel Sonnenschein die Stra\u00dfe hinab. In seinem Auto hing Frank und qu\u00e4lte ein sehr mickriges &#8222;Mojen&#8220; zwischen seinen Z\u00e4hnen hervor, dass&#8230; <a href=\"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/?p=651\">Read more &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/651"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=651"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/651\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":652,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/651\/revisions\/652"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=651"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=651"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gruppa-sued.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=651"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}