Hertha BSC – VFL Wolfsburg 0:1

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Zuschauer: 39.259

Jetzt mal ernstlich. Zum Grottenkick gegen Wolfsburg zu gehen kann man vielleicht noch mit krankhaftem Fußballfanatismus erklären. Die Unverbesserlichen können es ja eh nicht lassen. Einen Bericht über diese Grütze anzufertigen, ist dann aber vielleicht doch zu viel des Guten!? Manch ein Fanzine würde es bei einem Foto belassen. Und ich schreibe doch, „weil ich es verdammt noch mal nicht lassen kann“. Wer das Zitat kennt darf sich gern in den Kommentarspalten verewigen. Zu gewinnen gibt’s nichts und davon jede Menge. Schließlich sind wir hier immer noch bei Hertha.

Ich verband heute mal Pflicht mit Freizeit und reiste so mit dem Auto aus der anhaltinischen Provinz an. Ein kleines Auswärtsfeeling beim Heimspiel. So in etwa muss sich das für die Exilanten anfühlen. Mit an Bord zwei fußballbegeisterte Kollegen, die nichtsdestotrotz wenige Kenntnisse in Fan- und Ultrakultur hatten. Es folgte ein längerer Vortrag meinerseits, bei dem ich mich so sehr ins Detail verlor, dass ich irgendwo bei Coswig wenden musste. Konzentration auf die Straße!

Am Parkplatz angekommen mussten einige Enttäuschungen verkraftet werden. Erstens waren wir etwas zu spät für’s Vernunftsbier draußen. Zweitens hatte ich meinen Kollegen – nennen wir sie Heiner und Paul – Eintrittskarten von ca. 12€ in Aussicht gestellt, ohne das zu prüfen. Peinlich berührt stand ich vor den Kartenhäuschen und erläuterte den Gästen, dass die günstigste Kategorie 24€ kostet. Spinnen die völlig? Und hatte ich schon den Schneeregen erwähnt? Heiner und Paul waren aber gut gelaunt und zahlten bereitwillig. Kaum waren wir drin, ließen sich Paul und Fieber-Helmuth (der jetzt auch bei uns war) jeweils ein Bier einfüllen. Erst nach der Bezahlung erfuhren wir, dass es „Lightbeer“ war. Wegen? Na klar Risikospiel. Das war übrigens drittens.

Ein paar Dinge checke ich nicht. Erwarten die Verantwortlichen, dass 38.000 Fleischfresser nach 1-2 Bier in den Gästeblock stürmen und alles grün und blau hauen? Oder denken die etwa, dass jemand, der aus irgendwelchen Gründen unbedingt einen Wolfsburger umhauen will, das lässt weil er kein Bier kriegt!? Da wird es schon eher gefährlich, wenn gar kein Gegner kommt und wir uns mit den Kutten in die Wolle kriegen. Ich will nicht jammern und für Alkohol kämpfen wie halb Deutschland derzeit für die Raserei. Aber diese Risikoeinschätzungen sind doch völlig daneben.

Heiner und Paul verkrümelten sich in den Oberring, Helmuth und ich in die Kurve. Wenigstens etwas Tifo sollte die Stimmung heben. Aber mit waschlappennassen Fahnen ist das irgendwie auch nicht so geil.

Über das Spiel schreib ich jetzt wirklich nur das Nötigste. Auf jeder Seite ein Lattentreffer. Paar Torchancen. Wolfsburg mit dem einzigen Tor der Partie. 65. Minute, Torschütze Wout Weghorst. #horstmussweg Höhö.

Ja, doch, man könnte meinen die Zeit sollte für nen Ausgleich reichen. Aber so richtig wollte oder konnte Hertha wohl nicht. Und so sang nur noch ein recht kleiner Teil der Kurve, was immer noch besser war als das was die Hanseln auf der anderen Seite ablieferten. Mega dünn dafür, dass es keinen Zwischenhalt zwischen Wolfsburg und Berlin gibt. Wenigstens der untere Gästeblock sollte bei der Anstoßzeit in der 1. Liga gefüllt werden. Bis auf die Ultras um die „Weekend Brothers“ und co. war da nichts zu sehen oder zu hören.

Aber ein Gutes hat der Schrotttag doch. Meine Kollegen haben einen Eindruck davon bekommen „wie Hertha ist“. Nämlich meistens eher Leiden als Freuen. Naß werden statt Sonnen. Und schimpfen, meckern und zetern. So wie hier im Bericht. Dann hieß es raus aus der Rolle. Einmal im Kreis drehen und schon war ich wieder auf dem Rückweg zur Arbeit. Ha Ho He!

*KBK-19*